TL;DR (Für Entscheider):Die Bundesverwaltung intensiviert den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), um Effizienz zu steigern, dem Fachkräftemangel zu begegnen und den Bürgerservice zu modernisieren. Behörden wie der Zoll und die Bundesagentur für Arbeit nutzen KI für automatisierte Anfragenbearbeitung, Datenverarbeitung und Entscheidungsunterstützung. Die Bundesregierung fördert diese Entwicklung mit einer fortgeschrittenen KI-Strategie und erhöhten Investitionen, während sie gleichzeitig durch Leitbilder und die EU-KI-Verordnung einen verantwortungsvollen und transparenten Einsatz sicherstellt. Gesellschaftlich zielt der Einsatz auf schnellere, bürgerfreundlichere Prozesse ab, muss jedoch die Erwartungen an Nachvollziehbarkeit und Transparenz von Entscheidungen noch stärker erfüllen.

Kurzanalyse:
Der öffentliche Sektor in Deutschland integriert KI-Technologien zunehmend, um operative Herausforderungen zu adressieren und die Servicequalität zu verbessern. Ein zentraler Treiber ist der akute Personalmangel, der bis 2030 voraussichtlich über eine Million unbesetzter Stellen erreichen könnte. Gleichzeitig fordern 66 Prozent der Bürgerinnen und Bürger einfache und bequeme Online-Verwaltungsleistungen.

Konkrete Anwendungsfelder sind vielfältig:

  • Der Zoll setzt KI-basierte Voicebots wie „LinA“ und Chatbots ein, die täglich bis zu 1.000 Gespräche führen und Anfragen zur Kraftfahrzeugsteuer oder zum grenzüberschreitenden Warenverkehr beantworten. Zudem wird KI zur automatisierten Zolltarifierung genutzt, um die Komplexität sich ständig ändernder Vorschriften zu bewältigen.

  • Die Bundesagentur für Arbeit nutzt KI zur automatisierten Datenübernahme aus Stellenangeboten, zur Entscheidungsunterstützung bei Kindergeld-Genehmigungen und für dialogbasierte Bots zu Berufen und Weiterbildung. Die Einführung eines generativen KI-Systems zur Automatisierung von Entscheidungsprozessen und zum Wissensmanagement ist geplant.

  • Die Polizei plant den Einsatz von KI-Videoüberwachung zum Objektschutz an sensiblen Standorten in Berlin, um Objekte, Personen und Szenarien zu detektieren und zu klassifizieren. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 2,1 Millionen Euro für ein Jahr. KI unterstützt zudem die Einsatzkräfte bei der (Massen-)Datenverarbeitung und Ressourcenoptimierung.

  • Im Justizumfeld assistieren KI-Systeme bei richterlichen Entscheidungsfindungen, insbesondere in Asylverfahren.

  • In der allgemeinen Verwaltung beschleunigt generative KI Aufgaben wie das Erstellen von Dokumenten, das Zusammenfassen von Richtlinien und das Wissensmanagement. Bildbasierte Objekterkennung wird zur Überwachung des Seegraszustands in der Nordsee eingesetzt. KI-Assistenten wie LLMoin unterstützen bei Text- und Rechercheaufgaben. Zudem können KI-Systeme Betrugsversuche in der Fördermittelvergabe oder Beschaffung frühzeitig erkennen.

Die Bundesregierung untermauert diese Entwicklung mit einer fortgeschriebenen KI-Strategie und erhöhten Investitionen von drei auf fünf Milliarden Euro bis 2025. Das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) hat ein KI-Leitbild entwickelt und betreibt den „Marktplatz der KI-Möglichkeiten (MaKI)“ als Transparenzregister. Die EU-KI-Verordnung setzt zudem strenge Regeln für hochriskante Anwendungen in Behörden fest. Trotz des Potenzials zur Steigerung von Transparenz und Bürgerfreundlichkeit geben nur 27 Prozent der Bevölkerung an, dass die Erwartungen bezüglich der Nachvollziehbarkeit und Transparenz von KI-Entscheidungen erfüllt werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Vertrauen durch klare Governance und Erklärbarkeit zu schaffen.

Quellen & Belege (47):

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